index introductio imagines || partitura exemplar translatio bibliographia e-mail

CTH 458.41

Citatio: (ed.), hethiter.net/: CTH 458.41 (INTR 2014-01-13)

Fragment eines Beschwörungsrituals mit Durchschreitungsritus eines Welpen und eines Ziegenbocks (CTH 458.41)

Textzeugnisse

A

KBo 23.8

2540/c

Literatur

Masson 1950, 7-8; Collins 1990, 213; Haas 2003, 413; Torri 2007, 677-678.

Inhaltsübersicht

Dieses kurze und fast vollständig erhaltene Ritual ist in mehrfacher Hinsicht von Interesse. Haas 2003, 413 bezeichnet es als „Eine in der Art eines Briefes gehaltene Instruktion zur Abwendung des von einem Vogel verkündeten Omens, das jemanden während einer Reise trifft“. Auch äußerlich zeigt der Text eine besondere Form, weil die Schrift über die gesamte Oberfläche der Tafel, inklusive des unteren Rands, läuft (und deshalb in der Art eines Briefes). Da der Text deutlich in die mittelhethitische Zeit zu datieren ist1, bildet diese Form keine Ausnahme2.

Interessant ist die Ritualhandlung in §5, in der ein Welpe und ein Ziegenbock getötet und in zwei Hälften geschnitten werden. Diese Handlung hat eine Parallele in KUB 17.28 Rs. IV 45-56 (CTH 426.2), einem auf einer Sammeltafel erhaltenes Ritual für das Heer im Rückzug. Ähnlichkeiten bestehen zu dem Ritualfragment KBo 10.44 Vs. 13'ff. (CTH 644.1.A) mit seiner Parallele KUB 29.56, 6'ff. (CTH 644.1.B), in dem Pferde durch die zwei Hälften eines Welpen geführt werden. Es ist gut möglich, dass es sich um Kriegspferde handelt und somit auch diese beiden Texte zu den „militärischen Ritualen“ gehören3.

Ob auch KBo 23.8 mit dem Heer oder mit einem Feldzug in einem Zusammenhang steht, hängt davon ab, ob KASKAL (Vs. 8) als „Weg, Straße“ oder alternativ als „Feldzug“ (s. Anm. 1 zur Übersetzung) zu verstehen ist. Beide Bedeutungen passen gleich gut in den Kontext und das Ritual ist zu kurz, um weitere Hinweise zu erhalten.

Hingewiesen sei noch auf den Subjektswechsel4 in dem Ritual. Der Text zeigt drei verschiedene Subjekte: 3. Pers. Sg. (kola 1-2?, 3-4?, 7, 10-13, 14?, 15?, 16), 3. Pers. Pl. (kolon 5, 9), 2. Pers. Sg. (kola 6, 8). Der Wechsel zwischen 3. Pers. Sg. und 3. Pers. Pl. Begegnet in Ritualtexten häufig: der Singular bezeichnet den Beschwörer oder die Beschwörerin, der Plural die anderen Teilnehmer des Rituals (in den meisten Fällen können sie als Assistenten des/der Ritualführers/Ritualführerin bezeichnet werden). Ein wenig schwieriger ist die Identifizierung des Subjekts in der 2. Pers. Sg. in kola 6 und 8. Wenn man aber davon ausgeht, dass § 4 eine von den Subjekten des Verbs weḫanda (kolon 5) gehaltene direkte Rede an die mit dem enklitischen Pronomen -šši (Vs. 7) identifizierte Person (i.e. der/die Ritualführer(in)) ist, dann kann das Subjekt der zwei Verben in der 2. Pers. Sg. nur der/die selbe Beschwörer(in) sein.

© Universität Mainz – Altorientalische Philologie/Institut für Altertumswissenschaften

1

Für typisch mh. Zeichenformen vgl. KAT-TA (Vs. 5, Rs. 21) und A-NA (Rs. 21) in Ligatur, KI (Vs. 4, Rs. 2). Nicht typisch mh. sind aber DA (u. Rd. 11) und die Zeichen AZ/UK, die nur in einem Fall (AZ in Rs. 11) die alte Form zeigen.

2

Vgl. z.B. KUB 30.29 (CTH 430.1) oder KBo 17.61 (CTH 430.2), wo die Schrift auf dem oberen Rand anfängt.

3

Der in Haas 2003, 410 zitierte weitere Beleg KBo 12.96(+) Vs. I 33' bleibt zu fragmentarisch, um die Ritualhandlung des Durchschreitens zweier Welpenhälften zu bestätigen.

4

Zum Subjektwechsel in hethitischen Ritualen vgl. Torri 2007, 671ff., bes. 677-678 für KBo 23.8.


Editio ultima: 2014-01-13






Valid XHTML 1.0 Transitional